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DAS Radrennen auf einem F1 Kurs

Das Bild vom letzten Anstieg zum Ziel gibt die zentrale Anforderung dieses 24 Stunden Radrennens auf dem Nürburgring in der Eifel hervorragend wieder, bei jeder Runde müssen je nach exakter Strecke 24-26 km mit gut 500 Höhenmeter und 72 Kurven überwunden werden und am Ende eines langen, zentralen Anstieges von Breitscheid hoch
 Die Hohe Acht!

Das Finale des ca. 5 km langen Anstieges besteht in dieser letzten, eher kurzen, Rampe mit 15-20% Steigung, je nachdem wen man in welcher Runde fragt. Doch der konstant fordernde kilometerlange Anstieg zuvor, macht einen schon richtig mürbe. Zudem steigt oder fällt die Runde andauernd gerne auch mit kurzen, giftigen Rampen, kurvt nach links oder rechts, eine besondere Rennstrecke, die nahezu keine ebene Gerade kennt. Doch wer steil hinauf fährt, rast auch ebenso herunter: die Fuchsröhre erlaubt Geschwindigkeiten an die 100km/h auf super Asphalt und garantiert ohne Gegenverkehr; mein Top-Speed waren 98! So schnell, dass ich mich nach den 24 Stunden öfter Frage, ob das denn vernünftig ist, was ich denn da tue. Sie ist eine Asphalt-Achterbahn, damit ist die Charakteristik dieser Strecke wohl am besten beschrieben.

Auch die Kurven sind natürlich keine normalen Kurven, sie sind alle geneigt und haben weite Radien. Man kann sie mit richtig Speed fahren. Es gibt Menschen, die behaupten, sie würden bei der Runde nicht einmal bremsen - bei Trockenheit, - ich schon, sogar häufiger. Auch schon bald nach einem Regenschauer geht das Speed Fahren wieder, denn durch die Gegebenheiten "trocknet die Strecke schnell ab", wie Kai Ebel zu berichten weiß.
Diese Rennstrecke hat mich nach meinem ersten Besuch in den Bann gezogen. Noch Tage nach der Veranstaltung fahre ich, zu Hause angekommen, im Geiste Kurve um Kurve und grinse dabei. Kein Wunder, denn nach einem 24 Stunden Ritt als Solist kommen schnell 1000 gefahrene Kurven zusammen. Meine persönlichen Favoriten sind die Wellen nach der Hohen Acht: Wippermann und Brünnchen. Kennt man die Ideallinie, dann kann man - ohne Verlust durch Bremsen - den Schwung der Abfahrt in den Hangauftrieb nutzen und mit wenigen kräftigen Tritten auf dem großen Blatt diese beiden Wellen drücken, Runde für Runde, für Runde - ein Genuss!
 
Doch bevor man den Ring erleben kann fährt man durch eine wellige Einöde und denkt: "Hier möchte ich nicht tot über 'm Zaun hängen!" Dann ragt unvermittelt nach einer Kurve die Rückseite von Start und Ziel als Hotelburg in den Himmel. Und der Kiefer klappt herrunter eine gigantische Kulisse im grünen, einsamen Nichts.
Die Anreise am Freitag ist ein Muss, um die Atmosphäre dieses Ortes und des Fahrerlagers aufzusaugen. Langsam entsteht ein Bazar ähnliches Gebilde, dessen Gassen und Wege spätestens am Samstag vor dem Start tatsächlich an eine orientalische Altstadt erinnern.

Vor dem Start der Radler dürfen am Samstag Morgen die Läufer auf die Strecke.
 
Während des Rennens gibt es ständig Trubel im Fahrerlager oder bei der angrenzenden Messe. Denn neben den aktiven Radlern gibt es auch jede Menge Supporter. Dringend benötigt, gerade für die Solisten, um mit Nahrung etc. versorgt zu werden. Aber auch die Versorgung mit Essen durch den Veranstalter ist leidlich. Direkt an der Rennstrecke gelegen gibt es eine Verpflegung auf der Hohen Acht, die einer sehr guten Verpflegung bei einer RTF entspricht. Nudeln etc. gibt es auch immer irgendwo im Fahrerlager/bei der Messe, aber dafür muss man meist schon ganz schön laufen. Für die, die noch nicht alles eingekauft haben empfiehlt sich ein Wagen außerhalb der Rennstrecke, denn aus dem Fahrerlager kommt spätestens nach dem Start keiner mehr mit dem Wagen hinaus. In Adenau gibt es den nächsten Markt. Die meisten Gruppen sind allerdings hervorragend ausgerüstet: Kühlschränke, Grills, Rollen zum warm Fahren, . . . . alles, was das Herz begehrt.
 
 
Equipment Klamotten, Material, Unterkunft
Das Wetter in der Eifel ist launisch und kennt vor allem deutliche Ausschläge nach unten auf der Temperaturskala. Gerade nachts kann es sau kalt werden (unter 4 Grad 2012) obwohl es am Tag richtig heiß war (ü 30 Grad 2012). Das heißt für einen (normalen?) 24 Stunden Fahrer, der zumal sein körperliches Tief dann hat, wenn die Nacht am kältesten ist: zieh Winterklamotten an! Zumal wenn es auch noch regnet (Stummelschutzblech!), dann bin ich mit meiner außen membrangestützten Schicht zu dieser (Un-)Zeit bestens gefahren.
Ehrlicherweise nehme ich fast all meine Radklamotten mit und vieles davon in mehrfacher Ausführung.
 
Das Wellenreiten in der Eifel erfordert intakte Schaltzüge, wie ich 2010 leidvoll feststellen musste. Neben neuen Bremsklötzen und Reifen sorgen seitdem neue Züge für ein gutes Gefühl bei Abfahrten jenseits der 90 km/h Grenze und ständigen Wechseln von Steigung und Gefälle.
 
Wer keine Rasen-Parzelle erwischt hat, der sollte vorher testen, in wie weit etwa Zelte auch ohne Heringe (NICHTS darf in den Asphalt geschlagen werden) sturmsicher stehen. Wir hatten da 2012 mit unserem THW Zelt gerade noch Glück, so blauäugig wie wir daran gegangen sind, "Das steht schon, so schwer wie das ist!" - NEIN, es wurde beinahe zum Drachen . . . ! Ich habe zur Sicherung von Zeltplanen schon Marktgewichte, mit Wasser befüllbare Behältnisse und Zuggurte um Kleintransporter Achsen gesehen.

Wo soll man sich nieder lassen?
Eine Frage, die nur jeder für sich beantworten kann, dabei gilt: Je weiter am Rand desto ruhiger, je größer die Parzellen-Ansammlung, desto lauter, je näher an den Boxen, desto "trubliger", . . . .   . Je nachdem, was man braucht (Essen kaufen: dann nah an Boxen, Dauerduscher: . . . , schwache Blase: . . . ), muss man seinen Wohlfühlort mit Hilfe des Lageplans selber ermitteln. Wir waren schon "überall", es zieht uns mittlerweile eher an den ruhigeren, nicht einsamen (!) Rand (Parzellen im Bereich J).

Beim Thema Fitness kommt es darauf an, was man vorher gemacht hat und ob man ähnliche Anforderungen (auf 25 km 500 HM mit max 15-18%) schon mal gefahren ist. Im Team hat man aber genug Pausen und wie man an den Solostartern sehen kann, der Ring ist nichts Unmögliches. Aber wer noch nie 24 Stunden gefahren ist, der sollte es (sehr) ruhig angehen lassen ;). Ein Bekannter gab mir mal einen erhellenden, konkreten Tipp zu meinem ersten Ötzi: "Wenn du (am Anfang) denkst, es geht richtig gut, dann schalte einen Gang ´runter!"

 
Die Strecke in Highlights!
Nach dem Start führt die Grand Prix Strecke abfallend über eine ewig breite Asphaltschneise in windenden Kurven bis zum Anstieg auf die Einfahrt zur Nordschleife zu. Nur in der ersten Runde fährt man direkt hinein. Bei allen weiteren Runden wird man hier abgeführt. Mäandernd durch das Fahrerlager geht es weiter, um dann durch die Boxengasse entgegengesetzt zu der Fahrtrichtung auf der "Start und Ziel"-Geraden zur Einfahrt in die Nordschleife zu gelangen.
Zum Beginn, nach der Einfahrt zur Nordschleife, nimmt man bei angenehmen Gefälle richtig Fahrt auf und kann sich mit den Kurven vertraut machen. Richtung Flugplatz bremst einen die Quiddelbacher Höhe (km 3,5), die erste Rampe, die einem Respekt einflößen sollte. "Entweder mächtig schalten oder aus dem Sattel gehen?!?", aber was davon gibt für 24 Stunden Sinn?!?
Die Gedanken verfliegen schnell, denn nach der Erholung auf dem Flugplatz (km 4) beginnt der rasante Weg zur Fuchsröhre mit einer weiten Rechtskurve (Aremberg km 5,5), um unter einer Brücke in die Fuchsröhre (km 6) zu führen und dabei ständig Fahrt auf zu nehmen. Wer sich aerodynamisch hinsetzt, der wird leicht jenseits der 80km/h beschleunigt. Wer sich fragt, ob er das auch nachts machen will, der steckt schon im Gegenhang und spürt die gleichnamigen Kräfte dieses Abschnittes: Kompression.
Hat man alles richtig gemacht, dann spuckt einen der Gegenhang ohne viel eigenes Dazutun in den Adenauer Forst (km 6,5) und das Metzgesfeld (km 7,5), einem Abschnitt zum Erholen. Die braucht man auch, denn die nächsten Kilometer bis zum tiefsten Punkt der Strecke Breitscheid, erfordern hohe Konzentration, weil starkes Gefälle mit deutlichen Kurven zusammen kommen.
Die Ouvertüren: Kallenhard, Spiegelkurfe und dreifach Rechts beschleunigen einen auf die scharfe Linkskurve im Abschnitt Wehrseifen (km 9). Nach dem Scheitelpunkt der Kurve wieder Fahrt aufnehmen, um dann erneut vor Breitscheid (km 10) zu bremsen; aber nicht zu viel unmittelbar nach der Linkskurve steht man vor der Wand bei Ex-Mühle.
Ab hier ist langsam Schluss mit Abfahren, bis zum Bergwerk (km 10,5) will man das noch nicht so richtig wahr haben "Steigt noch nicht, oder?!", aber danach gibt es (fast) kein Gefälle mehr bis zur Hohen Acht. Konstante, weitestgehend gerade, nicht ebene (!), Bereiche werden passiert (Kesselchen, Klostertal), bevor die beiden großen Kurven den steilsten Abschnitt ankündigen. Zu Beginn die kleinere und steilere Steilstrecken-Kurve, kurze Zeit später das Carriola-Karrussell (km 13), eine Steilwandkurve mit fast 180 Grad, die man leider berghoch fährt. Hier haben nur Rennwagen echten Spaß. Das direkt anschließende kurze Stück seicht abfallender Straße sollte man für eine Erholung nutzen, denn die nächsten maximal 18% steilen Höhenmeter führen auf die Hohe Acht (km 14,5). Ich persönlich finde sie nicht so schlimm, weil sie überschaubar kurz sind. Aber dennoch, in jeder Runde - auch der ersten - sieht man Menschen schieben.
Die nächsten 8 Kilometer bis zu Start und Ziel, dem höchsten Punkt der Strecke, sind wellig. Zunächst ein an Höhe verlierender Bereich mit den Traumrampen Wippermann (km 15) und Brünnchen (km 16) bei denen das Wellendrücken so viel Spaß macht. Das geht bis zum tiefsten Punkt dieses Abschnittes dem Pflanzengarten (km 18) so weiter.
"Hab ich nen Platten, hält sich da jemand fest?" man sieht es nicht so, aber die Strecke steigt ab jetzt fast stetig und zum Teil deutlich an. Die Bereiche sind Schwalbenschwanz, kleines Karussell, Galgenkopf und Döttinger Höhe (km 19). Letztere muss hervor gehoben werden, weil die Höhe das einzige echt windanfällige und gerade Teilstück der gesamten Nordschleife ist, hier heißt es, Windschatten zu suchen oder Bündnisse zu knüpfen. Doch hoch geht es erst zum Buckel der Antonisbuche (km 21) in dessen Abfahrt die Einmündung der MTB-Strecke liegt und die zum Tiergarten/Hohenrain, dem finalen Anstieg vor Start und Ziel führt (km 21).
 


 
 
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